Juliana Keppler

Freie Journalistin

„Ich liebe es, mit Kunst zu arbeiten!“ Die Kunsthistorikerin Ursula Wallbrecher

1.Wann und wo bist du geboren?
Am 14.4.1962 in Herne in Nordrhein-Westfalen.

 

 

2. Wann und wo hast du Archäologie (und welche Fächer noch?) studiert?
Begonnen habe ich im WS 1981 in Bochum, habe dann aber zum SS 1984 nach Freiburg gewechselt; begonnen habe ich mit Klassischer Archäologie, Latein und Ur-und Frühgeschichte, letztendlich waren es dann Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte, in denen ich meinen Magister gemacht habe.

 
3. Was sind momentan Deine Aufgaben am Landesmuseum Mainz?
Ich bin im Bereich Dokumentation tätig, der Titel meiner Aufgabe lautet „Zentrale Steuerung des Leihverkehrs der Institutionen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz“; Gott sei Dank habe ich darüber hinaus aber auch die Möglichkeit, im Bereich Barrierefreiheit zu arbeiten und auch immer wieder Führungen im Haus zu machen.

 
4. Was war deine Aufgabe früher?
Als ich 1999 auf einer Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme (ABM) im Landesmuseum Mainz begonnen habe zu arbeiten, war meine Aufgabe noch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
5. Wo hast du vor deiner Zeit am Landesmuseum gearbeitet?
Nach meinem Studium habe ich von 1996-1998 ein Bibliotheksreferendariat gemacht: zunächst an der Universitätsbibliothek Freiburg (Praktisches Jahr) und dann an der Bibliotheksschule in Frankfurt (Theoretisches Jahr); das Staatsexamen habe ich im September 1998 abgelegt.

 
6. Warst du auch mal arbeitslos?
Im Anschluss an dieses Referendariat war ich arbeitslos, bis ich die ABM zum 1.4.1999 in Mainz antreten konnte.

 
7. Hat dir die Arbeitslosigkeit zu schaffen gemacht?
Natürlich hat mir die Arbeitslosigkeit zu schaffen gemacht, vor allem, weil es zunächst sehr perspektivlos aussah – schließlich hat mir geholfen, dass ich mich noch in Frankfurt bei der damals dort ansässigen Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) gemeldet hatte, die für arbeitslose AkademikerInnen zuständig war/ist und mir die ABM in Mainz verschafft hat.

 
8. Wie alt warst du als MS bei dir diagnostiziert wurde?
Das war kurz vor meinem 24. Geburtstag, also 1986.

 
9. Wie fühlten sich die ersten Symptome an?
Ungewöhnlicherweise waren die Symptome auf den Bewegungsapparat bezogen – viel häufiger ist ja, dass beispielsweise eine Augensymptomatik am Anfang der Multiplen Sklerose steht. Hinzu kamen Missempfindungen, vor allem ein Kribbeln in der Bauchgegend – heute weiß ich, dass es sich um eine Nacken-Beuge-Parästhesie handelte.

 
10. Wie war der Verlauf der Krankheit bei dir?
1986 gab es praktisch außer Cortison nichts gegen Multiple Sklerose; am Anfang gingen aber auch wirklich alle Symptome dadurch wieder weg. Sie kamen aber auch bald wieder, und der offizielle Titel des Verlaufs lautete/lautet „Sekundär chronisch-progredient mit aufgesetzten Schüben“ – damit kann man nicht wirklich etwas anfangen, aber wenn bei mir jemals tatsächlich Schübe vorkamen, kann es nur ganz am Anfang gewesen sein. Ich glaube persönlich eher, dass der Verlauf von Anfang an, also primär chronisch-progredient war.

 
11. Was hilft dir mit der Krankheit klar zu kommen?
Ich lebe mit der Liebe meines Lebens zusammen (mein Ehemann), bin ungeheuer froh, eine Arbeit zu haben, die mit Kunst zu tun hat, habe wunderbare Freunde, eine wunderbare Familie (Eltern, Geschwister) und über ehrenamtliche Tätigkeiten aus, die mein Leben mit Sinn erfüllen (Vorsitz des Behindertenbeirats der Stadt Mainz, Flüchtlingsarbeit).

 
12. Was motiviert dich deine Arbeit am Museum mit Leidenschaft zu tun?
Ich liebe es, mit Kunst zu arbeiten und Kunst zu vermitteln; seit ich selbst zum Personenkreis der Menschen mit Behinderung gehöre, habe ich auch ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass Vermittlung von Kunst sich nicht nur an Menschen mit Bildungshintergrund zu richten hat, sondern dass alle Menschen ein Recht auf Kunst und Kultur haben.

 
13. In welchen Selbsthilfe-Organisationen bist du aktiv?
Ich bin in keiner eigentlichen Selbsthilfe-Organisation aktiv, aber zahlendes Mitglied in der Deutschen MS-Gesellschaft (DMSG); behindertenpolitisch bin ich inzwischen natürlich tätig (Vorsitz des Behindertenbeirats der Stadt Mainz, Arbeitskreis Barrierefreiheit und Kultur des Behindertenbeirats).

 
14. Was sind deren Projekte?
Was die Projekte des Behindertenbeirats der Stadt Mainz und des Arbeitskreises Barrierefreiheit und Kultur betrifft, so würde es Tage dauern, diese zu erläutern …

 
15. Was motiviert dich Selbsthilfe-Arbeit zu machen?
(siehe oben)

 
16. Was machst du gern in deiner Freizeit?
Ich höre ungeheuer gerne Klassische Musik, treffe mich mit Freunden, lese – und bin ansonsten mit meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten auch in meiner Freizeit außerordentlich beschäftigt.

 
17. Was du schon immer mal einer Öffentlichkeit kommunizieren wolltest …
Mir ist in letzter Zeit eine Sache besonders bewusst geworden, die mein Leben schon seit langer Zeit bestimmt:
Es wird häufig gesagt, man müsse die Dinge positiv sehen – das halte ich für Unsinn, es gibt negative Dinge, und die muss man auch nicht positiv sehen. Aber noch wahrzunehmen, was positiv ist, das ist vielleicht sogar mein Lebensmotto und da bin ich ungeheuer dankbar für, dass mir das immer wieder auch gelingt. Es gibt so verdammt viel, was wirklich positiv ist!

One Response to “„Ich liebe es, mit Kunst zu arbeiten!“ Die Kunsthistorikerin Ursula Wallbrecher”

  • Mechthild Munz-welzel sagt:

    Der Beitrag gefällt mir, vor allem auch, weil ich selbst in Mainz wohne. Ich bewundere alle, die sich nicht selbst aufgeben. Ich weiß, wie hart das ist!!


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