Juliana Keppler

Freie Journalistin

Benachteiligt im Beruf: Blinde und Sehbehinderte finden schlechter Arbeit

Der Deutsche Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf e.V. kümmert sich um die berufliche Eingliederung von blinden und sehbehinderten Menschen. Der Verein arbeitet bundesweit und hat ungefähr 1.400 Mitglieder. Ich sprach mit dem ehemaligen Geschäftsführer Michael Herbst:

1. Was macht der DVBS -Deutscher Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf?

Wir beschäftigen uns mit der Bildung und der beruflichen Eingliederung von blinden und sehbehinderten Menschen. Bei uns sind eher höher qualifizierte Berufe bis zum Akademiker vertreten. Der Verein ist in Bezirks- und Fachgruppen organisiert. Die Bezirke gliedern den Verein regional, die Fachgruppen nach Berufen.
Es gibt aber auch übergreifende Fachgruppen wie die Fachgruppe Sebehinderung oder die Fachgruppe Ruhestand. Die größe Fachgruppe ist die der sozialen Berufe und der Psychologen. Danach kommen die Juristen und die Musiker. Ein kleiner Teil von unseren Mitgliedern arbeitet in der Wirtschaft.

2. Wie alt sind die Mitglieder?

Unser durchschnittliches Mitglied ist 46 Jahre alt, männlich, hat einen sozialen Beruf , wohnt in Hessen und ist seit 18 Jahren im Verein. Der Verein ist Heimat für die Mitglieder, was sie wiederum motiviert, sich zu engagieren.

3. Wie hoch ist die Arbeitslosenquote bei den Blinden und Sehbehinderten in ihren Verein?

Die Datenlage ist schwierig. Im Verein liegt sie bei circa 60 %. Laut einer Studie gibt es in NRW eine Erwerbsquote von Blinden und Sehbehinderten von 33%. Die Frage ist: Was ist mit den übrigen zwei Dritteln? Sind die alle arbeitslos? Ein Teil ist arbeitslos. Viele haben sich frühverrenten lassen, weil sie spät erblindet sind. Wieder ein Teil der Leute gibt sich irgendwann selbst auf. Sie wollen nicht mehr in Arbeit kommen und richten sich dauerhaft in der Sozialhilfe ein. Das sind gar nicht so wenige. Das kommt relativ häufig vor.

4. Wie hoch ist die Berufseinsteigerarbeitslosigkeit bei Blinden und Sehbehinderten?

Im Prinzip bei 100 % , denn wenn man mit einem Studium fertig ist, hat man in der Regel erst mal keinen Job.

5. Worin liegen die Ursachen, dass sich sehgeschädigte Berufseinsteiger mit dem Einstieg so schwer tun?

Das Problem bei unserer Klientel ist, dass ihr berufliches Profil im Vergleich zu dem der Normalsehenden nicht ausreichend geschärft ist. Die haben nur ihr Diplom und sonst nichts. Für freiwillige Praktika fehlt ihnen während des Studiums schlicht die Zeit. Mini-Jobs können sie nebenher nicht ausüben, weil kein Kostenträger die Hilfsmittelausstattung für den Job bezahlt.

6. Wie lange sind Blinde und Sehbehinderte im Schnitt arbeitslos, wenn sie dein Einstieg ins Berufsleben geschafft haben?

Es gibt keine Zahlen. Viele Blinde und Sehbehinderte haben Probleme, sich an die Gegebenheiten des heutigen Berufslebens anzupassen. Sie denken sie haben ihre Stelle bis zur Rente, wenn sie den Berufseinstieg erst mal geschafft haben. Befristete Verträge, Versetzung ins Ausland, Umzug in eine andere Stadt mit kompletter Neuorientierung, das sind Gegebenheiten des heutigen Arbeitsmarkts. Das kalkulieren viele überhaupt nicht ein.

Vielen Dank für das Gespräch.


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