Juliana Keppler

Freie Journalistin

Porträt: Ein Leben für die Barrierefreiheit: Melanie Egerer

„Weiter rechts, Melli!“, ruft der Begleitläufer Melanie Egerer zu. Die Sechsunddreißigjährige mit den braunen Locken und dem ovalen Gesicht joggt gerade mit ihrem Begleitläufer durch den Münchner Olympiapark.
Ihr Handgelenk ist dabei durch ein Gummiband mit dem Handgelenk des Begleitläufers verbunden.
Das Band ist nötig, weil Melanie von Geburt an blind ist. Sie kam als extreme Frühgeburt auf die Welt und wurde im Brutkasten zu intensiv mit Sauerstoff versorgt. Dadurch wurde ihre Netzhaut massiv geschädigt und sie verlor ihr Augenlicht. Möglich macht das Lauftraining der Behindertensportverein „Achilles international“.
Nach ihrem Magisterstudium in Germanistik und Französisch in Regensburg zog sie für einen Job bei der „Allianz Versicherung“ nach München. Melanie Egerer schulte hier von 2009-2012 Führungskräfte im Dunkeln; es ging um die Schulung der Teamfähigkeit. Melanie beobachtete die Teams und gab hinterher Feedback wie die zu lösenden Aufgaben bewältigt wurden.
Sie arbeitete dort u.a. mit BMW zusammen.

Seit Januar 2012 arbeitet sie für den Bayerischen Blinden – und Sehbehindertenbund e.V (BBSB). Egerer ist Beauftragte für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum der Bezirksgruppe Oberbayern-München und zudem zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bezirksgruppe.
So schreibt sie einen Newsletter mit Terminen des BBSB und anderen inklusiven Veranstaltungen. Sie betreut Infostände des BBSB im Rahmen der „Woche des Sehens“ im Oktober und auf Messen.
Dazu kommen Schulungen in blinden- und sehbehindertenspezifischen Belangen für Ergotherapeuten und Pflegepersonal. Auch der Mobilitäts-Service am Flughafen wird von Melanie geschult. Die dortigen Mitarbeiter lernen dann, wie man mit blinden Menschen „richtig“ umgeht.
Ein Großteil von Melanies Arbeit wird von der Barrierefreiheit eingenommen. Egerer berät Architekten und Bauleiter, wie man blindengerecht baut und gibt Empfehlungen ab. Außerdem schreibt sie Stellungnahmen wenn zum Beispiel die Regierung Oberbayern eine Bushaltestelle oder einen neuen Bahnhof baut. Es geht immer um nutzergerechtes Bauen und nutzergerechte Leitsysteme. Gremienarbeit gehört auch zu Melanies Job: der BBSB arbeitet zum Beispiel im Behindertenbeirat der Landeshauptstadt München mit. Zu ihren Hobbies zählen das Laufen (was sie seit drei Jahren macht) und das Lesen von Büchern in Brailleschrift. Ihr letzter Krimi umfasste 12 Bande und kam in vier Koffern mit der Post aus der Blindenbücherei! Außerdem trifft sie sich gern mit Freunden und geht gern ins Theater oder Kino. Im Kino ist natürlich die Greta-App immer dabei…(Die Greta-App ist eine App fürs Smartphone mit der Audiodeskriptionen über Kopfhörer zum Film in Kino gehört werden können).


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