Juliana Keppler

Freie Journalistin

Sonderausstellung M.T. Wetzlar im Münchner Stadtmuseum

1930 stellte die Silberschmiede M.T.Wetzlar, die erste Adresse für Silber in der Maximilianstraße, das Ratsbesteck der Stadt München her. Das dazugehörige Geschirr aus Nymphenburger Porzellan umfasste mehrere Hundert Teile. Abgebildet ist das rote Stadtwappen. Die Familie Wetzlar was jüdischen Glaubens. Ihr Betrieb wurde 1938 an andere Deutsche zwangsverkauft. „Arisiert“ nannten das die Nationalsozialisten. Juden durften nach damaligen Gesetzen kein Vermögen besitzen. Die „Arisierung“ ruinierte die Existenz der Familie Wetzlar, die 1939 nach England emigrieren konnte. Der Großvater, Moses Tobias Wetzlar, kam 1875 nach München, um hier einen Betrieb zu gründen. Er eröffnete ein Silberwarengeschäft und war Kantor an der orthodoxen Synagoge. Seit 1907 führte man den Hoflieferantentitel. Der Verkauf im Zuge des Zwangsverkaufs war weit unter Wert. Allein das Warenlager war über 100.000 Reichsmark wert. Wetzlars Söhne Heinrich und Alexander brachten in den zwanziger Jahren mit neuen Entwürfen Schwung in die Firma. Das Silberwarengeschäft war das erste Haus am Platze. Die Waren hatten hohen künstlerischen Wert und sind mit Stücken von C. Wollenweber oder Th. Helden vergleichbar.
Die Aktuelle Sonderausstellung des Stadtmuseums möchte die Familie würdigen und vor dem Vergessen bewahren. Außerdem verspricht sie sich neue Erkenntnisse über die Provenienz einzelner Stücke. Ausgestellt werden ca. 200 Silbergeschirrteile. Es sind wunderschöne Silberplatten
und Kaffeeservices, aber auch sehr große Pokale. Ergänzt werden die Stücke durch zeitgenössische Fotografien und eine Hörstation. In dieser schildert Heinrich Wetzlar die Verhaftung der Familie. Er schrieb seine Erinnerungen vor seinem Tod auf. Er starb 1974. Mit seinem Tod starb die Familie aus.


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