Juliana Keppler

Freie Journalistin

Carina Zinkeisen: Das Kindbettfieber – eine einst gefürchtete Krankheit

Lucrezia Borgia ist daran gestorben, Jane Seymour, eine der sechs Ehefrauen von Heinrich VIII, auch – so wie unzählige Wöchnerinnen vor und nach ihnen: am Kindbettfieber. Heute gilt es als besiegt. Zu verdanken ist das Ignaz Phillip Semmelweis.

Der Schriftteller Theodor Storm beschreibt in seiner berühmten Erzählung vom “Schimmelreiter”, wie Elke, die Frau des Deichgrafen Haukes am Kindbettfieber erkrankt. Damals, im Jahre 1888, war die tödliche Wöchnerinnenkrankheit noch nicht gebannt.

“Das Schlimmste war: Am dritten Tage lag Elke im hellen Kindbettfieber, redete Irrsal und kannte weder ihren Mann noch ihre alte Helferin. Die unbändige Freude, die Hauke beim Anblick seines Kindes ergriffen hatte, war zu Trübsal geworden; der Arzt aus der Stadt war geholt, er saß am Bett und fühlte den Puls und verschrieb und sah ratlos um sich her.”

Doch was ist eigentlich dieses furchtbare Kindbettfieber?

Das Kindbettfieber ist eine Infektionskrankheit, die nach einer Entbindung während des Wochenbettes oder nach einer Fehlgeburt auftreten kann, insbesondere auch im Falle einer unvollständigen Nachgeburt. Andere Bezeichnungen sind Wochenbettfieber, Puerperalfieber oder Puerperalsepsis.

Erreger dieser Infektion können Staphylokokken, Streptokokken, Escherichia coli oder auch Neisseria gonorrhoeae, die Gonorhoe sein. Sie dringen durch die große Wundfläche in der Gebärmutter, die durch Ablösung der Plazenta entstanden ist, in den Körper und die Blutbahn ein. Der Muttermund ist in den Tagen nach der Geburt noch klaffend geöffnet, so dass eine direkte Verbindung zwischen der Gebärmutter und der Scheide besteht. Auch bei guten hygienischen Bedingungen können Keime so leicht in die Gebärmutter aufsteigen. Sie finden dort eine warme, nährstoffreiche Umgebung vor, in der sie sich stark vermehren. Normalerweise werden die Bakterien über den Wochenfluss hinaustransportiert. Sind die Nachwehen und der Wochenfluss jedoch schwach, kann es zur Infektion kommen.

Die Erkrankung äußert sich durch erhöhte Temperatur oder Fieber, Druckschmerzen im Unterleib, übelriechenden Wochenfluss und eventuell Blutungen. Eine Verschlechterung macht sich durch Abwehrspannung im gesamten Unterbauch, Übelkeit und Erbrechen sowie Schocksymptome, wie Unruhe, starke Puls- und Atembeschleunigung und Blutdruckabfall, bemerkbar.

Die Folgen sind Entzündungen des Bauchfells, der Gebärmutterschleimhaut und weiterer Organe, die mit starken Fieberanfällen einhergehen und ohne wirksame Behandlung in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen bis zu Sepsis („Blutvergiftung“) und zum Tod führen.
Heutzutage kann das Kindbettfieber durch gute Hygiene und den Einsatz von Antibiotikum sehr gut behandelt und eingedemmt werden.

Im 19 Jahrhnundert sah es jedoch anders aus. Speziell Medizinstundenten, die in den Krankenhäusern in der Anatomie die Obduktionen vorgenommen und sich danach nicht die Hände gewaschen hatten, infizierten die Wöchnerinnen mit den todbringenden Bakterien.

Ignaz Semmelsweis, ein junger ungarischer Assistenzsarzt enteckte in Wien Mitte des 19 Jahrhundert die Wichtigkeit der Händedesinfektion.

Hier sein bahnbrechender Vorschlag: “Ärzte und Medizinstudenten, die aus der Anatomie kommen, und dann auf die geburtshilfliche Station wechseln, mögen sich bitte und unbedingt die Hände waschen. Und zwar mit Chlorkalk. Das war damals ein sehr probates Mittel, um dann eben die Untersuchung der Frauen vorzunehmen. Diese Kontaktinfektion der Gebärmutter war wirklich ein sehr ernsthaftes Problem, was sich mit den Chlorwaschungen in den Griff bekommen ließ.”
Heute ist Hygiene zumindest in unserer westlichen Welt in Krankenhaus selbstverständlich: sterile Kleidung, Waschen mit aseptischen Lösungen, Einmalhandschuhe, Mundschutz. Damals aber war noch nicht einmal das für uns ganz selbstverständliche Händewaschen an der Tagesordnung. So klangen die Maßnahmen des jungen Ignaz Semmelweis, zur Vermeidung der “alleinigen, ewig wahren Ursache” des Kindbettfiebers recht rigide in den Ohren der erfahrenen Kollegen.

Und das haben wir Ignaz Semmelweis zu verdanken.

Hier noch ein „historisches Rezept“ gegen das Kindbettfieber

Der Wochenbett Met

Frauenmantel (hormonell ausgleichend, blustillend, wundheilungsfordernd) Schafgarbe (pflanzliches Antibiotikum und sehr blutstillend)

Himbeerblätter (kräftigen das Gewebe)

Johanniskraut (heilt alle körperlichen und seelischen Wunden) und

Brennnessel (sorgt für neues Eisen)

Je 10 Gramm auf eine Flasche Met – ein paar Tage ziehen lassen, abseihen und trinken.

Beugt zusammen mit der guten alten Hühnersuppe dem Kindbettfieber vor und schenkt der frischgebackenen Mama neue Kraft – im 19 Jahrhundert und auch heute.


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