Juliana Keppler

Freie Journalistin

Power für die Töchter: Die Initiative für Münchner Mädchen stärkt Mädchen in München

Sabine Wieninger begrüßt mich mit einem strahlenden Lächeln als ich die Geschäftsstelle der Initiative für Münchner Mädchen (kurz IMMA e.V.) betrete. Sie ist mittleren Alters. Ihr Gesicht wird von lockigen, grauen Haaren eingerahmt. Frauen sind hier wichtig, das spüre ich sofort.
Der Verein will Mädchen und junge Frauen stärken, beraten und schützen. Mädchen sollen dabei unterstützt werden, ihren Weg zu finden und Teilhabe an dieser Gesellschaft zu haben. „Mädchen haben geschlechtstypische Bewältigungsstrategien“, so Wieninger. „Sie entwickeln z.B. psychosomatische Bauch-, oder Rückenschmerzen, wenn sie ein Problem quält.“ Sie zögen sich eher zurück, seien still, wenn sie Probleme hätten. „Jungs dagegen sind laut, aggressiv, stören, wenn sie Probleme haben. Die Not der Mädchen wird von den Erwachsenen oft nicht wahrgenommen“, sagt die Psychologin. Es geht den Mitarbeiterinnen von IMMA darum, die Ressourcen und Stärken der Mädchen wahrzunehmen, nicht nur die Defizite eines Mädchens. Deswegen ist es extrem wichtig den Mädchen zuzuhören.
Mädchen müssen heute immer noch mehr Verantwortung in der Familie übernehmen. Sie müssen im Haushalt helfen oder auf die kleinen Geschwister aufpassen. Ihre eigenen Bedürfnisse kommen zuletzt an die Reihe. Das führt dazu, dass die IMMA-Frauen Vorbild-Funktion für die jungen Frauen haben. Bei der IMMA arbeiten Frauen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, sie leben als Single, mit Männern oder Frauen, mit und ohne Kinder.

Der feministische Blickwinkel äußert sich bei IMMA im Infragestellen des klassischen Rollenklischees Frau: Schönheit ist nicht alles, ein Mädchen hat noch andere Werte. IMMA macht entsprechende Angebote.
Die Sozialpädagoginnen müssen in den Beratungsgesprächen herausarbeiten, was die Klientin will. Denn das wissen diese oft selber nicht. Auch eigene Stärken sind ihnen häufig unbekannt. „Die Mädchen sollen an sich glauben, was aus sich machen“, meint Wieninger.
Die IMMA hat mehrere Einrichtungen. So gibt es die Beratungsstelle, die Fachstelle Zwangsheirat und die Zufluchtstelle für von Gewalt betroffene Mädchen. Die Kontakt- und Informationsstelle organisiert Vorträge und qualifiziert Fachkräfte, Zora geht an Schulen und arbeitet mit Mädchen zum Thema Gewaltprävention. Dort sind spielerische Methoden gefragt. Außerdem gibt es Trainings für gewalttätige Mädchen und einen offenen Treff für junge Lesben.
In der Zufluchtstelle können Mädchen übergangsweise wohnen. Sie sind oft wegen massiver Probleme zu Hause weggelaufen und nun wird gemeinsam mit dem Jugendamt nach einer Lösung gesucht, wie es weitergeht. Seit März 2013 gibt es auch die Fachstelle Zwangsheirat. Zwangsheirat ist in Deutschland ein Straftatbestand und eine Menschenrechtsverletzung. Die Voraussetzungen, mit denen die Mädchen oder jungen Frauen zur Fachstelle Zwangsheirat kommen, sind sehr unterschiedlich. „Eine Fünfundzwanzigjährige kann ganz anders über ihr Leben entscheiden als eine Fünfzehnjährige“, sagt Wieninger. Manchmal gelingt es, eine Verbündete für das Mädchen in der Familie zu finden. Das kann z.B. eine Tante sein, die auf die Mutter Einfluss nehmen kann und die Hochzeit eventuell verhindern kann. Die jungen Frauen seien oft zerrissen zwischen ihrem eigenen Wollen (besser: ihren eigenen Wünschen) und dem Willen der Familie. Da müssen die Sozialpädagoginnen von IMMA mit der jungen Frau herausarbeiten, was ihr Weg sein kann (was die junge Frau wirklich möchte) und mit welchen Konsequenzen sie leben kann. Der Verlust der Familie ist sehr schmerzhaft und macht die Entscheidung schwer. (den Mann nicht heiraten und die Familie verlieren oder nicht – das find ich zu zugespitzt formuliert). Häufig hauen die jungen Frauen aus der Familie ab und finden Schutz in der Zufluchtstelle, deren Adresse geheim ist.
Aber IMMA sieht es auch als Aufgabe an, gegen ein sexualisiertes Frauenbild in den Medien anzuarbeiten. Das kleine Werbegeschenk des Vereins versucht das: „Ich mag mich IMMA mehr“ steht auf dem kleinen Kosmetikspiegel. Ein guter Anfang ist gemacht.


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